Norderstedt zahlt für Zwangsarbeit |
Auf Antrag der Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen beschloß die Norderstedter Stadtvertretersitzung am 17. Oktober, mit dem symbolischen Betrag von 70.000 DM in den Entschädigungsfonds für ZwangsarbeiterInnen einzutreten.
Der entsprechende Antrag, der von Anette Reinders vorgetragen wurde, erfolgte auf Anregung der Norderstedter Ortsgruppe der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (VVN/BdA), die sich damit unter anderem auf eine entsprechende Entscheidung der Wedeler KommunalpolitikerInnen bezogen, symbolisch eine Mark pro EinwohnerIn zur Verfügung zu stellen.
Anette Reinders: "Wir meinen, daß auch die Kommunen eine moralische Pflicht haben, sich am Entschädigungsfonds von Wirtschaft und Bund zu beteiligen". Ihrem Antrag stimmten die Fraktionen von SPD, Grünen, FDP und Bürgerpartei zu, die CDU stimmte erwartungsgemäß mit "Nein". So klar die Entscheidung somit fiel, so unklar war das Ergebnis bis kurz vor Abstimmungsbeginn. Erst in letzten Gesprächen und während der Redebeiträge konnten laut BeobachterInnen die KommunalpolitikerInnen von FDP und Bürgerpartei zur Zustimmung "überredet" werden.
Zusätzlich zur Bereitstellung der 70.000 Mark entschieden die StadtvertreterInnen außerdem die Beauftragung des Stadtarchivs Norderstedt, zur Frage der Zwangsarbeit auf heutigem Norderstedter Gebiet zu recherchieren. Das dürfte allerdings schwierig sein, sind doch auch hier die meisten Akten vernichtet- und wenige Tatsachen überliefert worden. Erst Anfang des Jahres gelang es dem Info Archiv und Gruppen aus dem Sozialen Zentrum erst nach monatelangen Recherchen, das Norderstedter Bauunternehmen Plambeck zum Eintritt in den Entschädigungsfonds zu zwingen, nachdem unter anderem zweifelsfrei belegt worden war, daß das Unternehmen in den Kriegsjahren u.a. zwei eigene Zwangsarbeiterlager an der Langenhorner Chaussee und der Ohechaussee "unterhalten" hatte.
Derweil fehlen dem Entschädigungsfonds weiterhin etwa 1,7 Milliarden Mark von Seiten der deutschen Wirtschaft. Immer wieder wird von dieser Seite darauf verwiesen, wie "schwierig" es sei, diese "ungeheure" Summe zusammenzutragen, während freilich alleine die Deutsche Bank jüngst wieder ihren Jahresgewinn von ca. 6 Milliarden Mark verkündete.